Schriftgröße: [normal] [groß] [größer]
 
Ellrich - eine Stadt in Bewegung

Ansprache - Pogrom 2017

Ellrich, den 09.11.2017

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

verehrte Anwesende,

 

auch in diesem Jahr möchte ich Sie zum Gedenken an die Novemberpogromen herzlich begrüßen. Schon seit vielen Jahren nehmen wir den 9. November zum Anlass, um an die Ereignisse des Jahres 1938 zu erinnern und zu gedenken.

 

Der 9. November ist der Tag an dem die Sturmabteilung und die Schutzstaffel der NSDAP alles was jüdisch war in Brand steckte und die Menschen gefangen nahmen oder töteten. An diesem Tag konnte jeder in Deutschland sehen, dass Antisemitismus und Rassismus bis hin zum Mord staatsoffiziell geworden ist.

Das Attentat auf den deutschen Botschaftsrat Ernst vom Rath am 7. November 1938 in Paris galt als Auslöser der Ereignisse. Doch die Vorbereitung für das Pogrom muss über viele Monate hinweg höchst sorgfältig erfolgt sein, denn es erfasste gleichzeitig und gleichartig alle Orte Deutschlands, wo Juden lebten. Nur jüdische Geschäfte wurden zerstört. Nur solche Synagogen wurden angezündet, bei denen keine Gefahr bestand, dass Nachbargebäude in Flammen aufgehen konnten. Nichtjüdische Häuser und Wohnungen blieben verschont. Derartige Planung konnte nicht in Stunden oder selbst in Tagen geschehen.

 

Die drei größten Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen waren auf Oktober 1938 hin stark erweitert worden, um einige zehntausend zusätzliche jüdische Gefangene aufzunehmen. Der Schrecken gipfelte dann im Holocaust, im systematischen Völkermord der Juden Europas.

 

Verehrte Anwesende,

Krieg und Gewalt sind das Grausamste, was Menschen und Völker einander antun können. Diese Erkenntnis müssen wir uns immer wieder, und gerade heute, vor Augen führen. Es vergeht kein Tag, an dem in den Medien nicht über kriegerische und gewalttätige Auseinandersetzungen berichtet wird. Gewalt entsteht durch Menschen. Und damit haben es die Menschen in der Hand, Gewalt zu vermeiden. Unsere Aufgabe ist es, Toleranz und Solidarität zu üben. Respekt vor der Menschenwürde bedeutet, Mitmenschen ernst zu nehmen.

Der heutige Tag soll uns erinnern an die Toten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen. Wir sehen darin eine verpflichtende Tradition, die uns nicht vergessen lassen soll. Daraus erwächst eine Mahnung zum Frieden, zur Freiheit und zur Demokratie. Wir dürfen heute und in Zukunft nicht zulassen, dass die Hoffnungen der Millionen, die ihr Leben lassen mussten, vergeblich waren.

 

Ich danke Ihnen.